Einpoliger Schaltplan PV-Anlage lesen
Ein einpoliger Schaltplan fasst alle Leiter eines Stromkreises zu einer Linie zusammen. So passt eine ganze PV-Anlage auf ein Blatt. Diese Seite erklärt die Symbole nach DIN EN 60617 und liest einen Plan einmal von oben nach unten.
Warum eine Linie für mehrere Leiter steht
Kleine Striche verraten, wie viele Leiter gemeint sind.
In einem allpoligen Plan hätte jede Zuleitung drei Außenleiter, Neutralleiter und Schutzleiter. Das wird schnell unlesbar. Der einpolige Plan zeichnet nur eine Linie und setzt schräge Striche darauf. Die Zahl der Striche nennt die Zahl der Leiter.
| Darstellung | Bedeutung | Beispiel im Plan |
|---|---|---|
| 5 Striche | L1, L2, L3, N und PE | Hauptleitung NYY-J 5×10 mm² |
| 3 Striche | dreiphasige AC-Leitung | Wechselrichter NYM-J 5×2,5 mm² |
| 2 Striche, rot | Plus und Minus eines Strings | H1Z2Z2-K 4 mm² |
| grün gestrichelt | Schutzleiter PE zur PAS | vom ÜSS zum Wechselrichter |
| blau gestrichelt | Daten oder Steuerung | EnFluRi-Sensor, NA-Schutz |
Die zwölf Symbole im PV-Plan
Gezeichnet mit derselben Bibliothek wie der Generator.
| Symbol | Name | Bedeutung |
|---|---|---|
| PV-Generator | Moduleinheit eines Strings mit Lichtpfeilen. Daneben stehen Modulzahl, Wp, Uoc und Isc. | |
| Wechselrichter | Rechteck mit Diagonale, Wechsel- und Gleichspannung auf je einer Seite. | |
| Speicher | Batteriesymbol mit Kopplung, kWh und kW im Text. | |
| Zweirichtungszähler | Zähler mit zwei Pfeilen für Bezug und Lieferung. Ein Pfeil bedeutet eine Messrichtung. | |
| SLS | Selektiver Hauptschalter vor dem Zähler, trennt die Anlage vom Hausanschluss. | |
| LS | Leitungsschutzschalter eines Zweigs mit Bemessungsstrom. | |
| RCD | Fehlerstromschutz, kenntlich am Ring unter dem Schaltkontakt, Typ im Text. | |
| ÜSS | Überspannungsschutz zwischen Leiter und Erde, Typ 2 oder Typ 1+2. | |
| Trennschalter | DC-Trenner im String, schaltet ohne Überstromauslöser. | |
| NA-Schutz | Zentrales Schutzgerät über 30 kVA, steuert den Kuppelschalter. | |
| HAK | Hausanschlusskasten mit Sicherung, hier endet das Netz des Betreibers. | |
| PE | Schutzleiter, grün gestrichelt, führt zur Potentialausgleichsschiene PAS. |
Die Darstellung folgt den Konventionen der DIN EN 60617. Manche Netzbetreiber bevorzugen eigene Varianten, etwa beim Zählerplatz. Über die DXF-Datei lässt sich ein Symbol in der CAD-Software tauschen, ohne den Plan neu zu zeichnen.
Ein Plan, von oben nach unten gelesen
10,08 kWp mit Speicher und Wallbox als Überschusseinspeisung.
- Netz und HAK. Oben kommt das Netz mit 0,4 kV an. Im Hausanschlusskasten endet es, die gestrichelte Linie markiert die Eigentumsgrenze.
- Hauptleitung und SLS. Darunter folgt die Hauptleitung mit 10 mm², dann der SLS 35 A.
- Überspannungsschutz. Links vom Strang leitet der ÜSS nach PE ab. Die grüne Linie führt zur PAS.
- Zähler Z1. Zwei Pfeile im Symbol zeigen Bezug und Lieferung. Bei Überschusseinspeisung ist Z1 der einzige Zähler.
- EnFluRi-Sensor. Der Sensor misst den Energiefluss und meldet ihn an den Wechselrichter.
- Verteiler. Die dicke Linie ist die Sammelschiene. Von hier gehen Wechselrichter, Haushalt und Wallbox ab.
- Wechselrichterzweig. LS 20 A und RCD schützen die Leitung 2,5 mm² mit ΔU 0,67 %.
- Wechselrichter. Das Rechteck mit Diagonale trennt AC von DC. Unterhalb wird der Leiter rot.
- Strings und Speicher. Zwei Strings mit ÜSS und Trenner sowie der DC-Speicher enden am Wechselrichter.
Rechts neben dem Strang steht der Kasten mit dem Messkonzept. Er nennt Funktion, Abrechnung, ΣSA,max und AC-Strom. Mit gewähltem Netzbetreiber kommt dessen Bezeichnung dazu. Die Entwurfsmarke quer über dem Plan zeigt, dass dies eine Vorschau ist.
Z1, Z2 und Unterzähler unterscheiden
Die Pfeile im Symbol nennen die Messrichtung.
Zähler tragen im Plan feste Namen. Z1 sitzt am Netzanschlusspunkt, Z2 je nach Messkonzept im Erzeugungszweig oder hinter der Kaskade. Der Typ steht neben dem Symbol, die Abrechnung im Messkonzept-Kasten. Wer die Rolle jedes Zählers kennt, versteht auch die Formel daneben.
| Zählertyp | Pfeile | Misst | Kommt vor bei |
|---|---|---|---|
| Zweirichtungszähler | zwei | Bezug und Lieferung | allen Messkonzepten als Z1, bei der Wärmepumpenkaskade auch als Z2 |
| Bezugszähler | einer | nur Bezug | Volleinspeisung und Kaskade mit Bezugszähler als Z2 |
| Erzeugungszähler | einer | Erzeugung der Anlage | Speicher-Messkonzept und Mieterstrom als Z2 |
| Unterzähler | einer | Verbrauch je Wohnung | Mieterstrom als UZ1 bis UZn |
HAK und Eigentumsgrenze
Die gestrichelte Linie unter dem Hausanschlusskasten ist keine Leitung. Sie zeigt, wo die Verantwortung wechselt: Oberhalb gehört die Anlage dem Netzbetreiber, unterhalb dem Anlagenbetreiber. Alles, was das Studio berechnet, liegt unterhalb dieser Linie.
Annahmen im Plan
Leitungslängen tragen den Zusatz „Annahme“, weil sie vor dem Aufmaß selten feststehen. Der Spannungsfall am DC-Strang gilt bei Standardtestbedingungen und für den ungünstigsten String. Beides sollte die Elektrofachkraft mit den echten Werten gegenrechnen.
Typische Lesefehler
| Irrtum | Richtig |
|---|---|
| Die Nummer MK2 gilt überall gleich | Bei Westnetz bedeutet MK2 Überschusseinspeisung, bei anderen Betreibern etwas anderes. Der Funktionsname zählt. |
| Die Modulleistung entscheidet über den NA-Schutz | Es zählt ΣSA,max, also die Wechselrichterleistung plus AC-Speicher. |
| Der DC-Speicher erhöht die Einspeiseleistung | Er teilt sich den Wechselrichter und addiert nichts zu ΣSA,max. |
| ΔU über 1 % ist ein Normverstoß | 1 % ist ein Planungsziel, keine VDE-Vorgabe. |
Wer den eigenen Plan sehen will, trägt die Anlage im Generator ein. Das Studio zeichnet alle Symbole dieser Seite automatisch. Weitere Informationen zu Formularen stehen in der Übersicht zur VDE-AR-N 4105.