VDE-AR-N 4105 Übersichtsschaltplan: Inhalte und Formulare
Die Anwendungsregel VDE-AR-N 4105:2026-03 ordnet die Formulare neu und verschiebt sie von Anhang E nach Anhang F. Hier steht, was das für Ihren Plan bedeutet und welche Regeln das Studio zeichnet. Die Angaben beruhen auf Unterlagen von Netzbetreibern, nicht auf dem Normtext.
Anhang F statt Anhang E
Die neue Ausgabe nummeriert die Formulare um.
Wer noch nach E.8 sucht, findet das Inbetriebsetzungsprotokoll jetzt als F.9. Die früheren Blätter E.2 und E.3 sind im Datenblatt F.2 zusammengeführt. Die Tabelle zeigt die Formulare, die bei einer typischen Dachanlage eine Rolle spielen.
| Neu | Formular | Früher | Inhalt |
|---|---|---|---|
F.1 | Antragstellung | E.1 | Anmeldung der Erzeugungsanlage mit Standort, Betreiber und Leistung |
F.2 | Datenblatt | E.2 und E.3 | Technische Daten von Anlage, Einheiten und Speicher |
F.8 | Anlagenzertifikat | bitte im Formular prüfen | Nachweis für Anlagen, die ein Anlagenzertifikat brauchen |
F.9 | Inbetriebsetzungsprotokoll | E.8 | Bestätigung der Inbetriebsetzung durch die Elektrofachkraft |
Einige Netzbetreiber geben noch die alten Formulare aus. Nutzen Sie immer das Formular, das Ihr Netzbetreiber verlangt. Das Beiblatt im Pro-Paket nennt deshalb beide Nummern, sortiert die Werte aber nach F.1, F.2 und F.9. Es ersetzt die Formulare nicht, sondern erleichtert das Übertragen.
Neu in den Formularen: die ZEREZ-ID
Die aktuellen Formulare fragen die ZEREZ-ID ab. Sie verweist auf den Registereintrag des Zertifikats. Das Studio kennt diese Kennung nicht und erfindet sie nicht: Das Feld bleibt im Beiblatt eine leere Zeile, die Sie von Hand ausfüllen.
Was auf den Übersichtsschaltplan gehört
Der Plan zeigt die Anlage einpolig, vom Netz bis zum Modul.
Ein Übersichtsschaltplan nach VDE-AR-N 4105 macht sichtbar, wie die Erzeugungsanlage am Netz hängt. Der Netzbetreiber liest daraus Messkonzept, Schutz und Leistung ab. Die genaue Forderung steht in seinen TAB. Diese Punkte gehören üblicherweise dazu:
| Bereich | Inhalt im Plan | Im Studio |
|---|---|---|
| Netzanschluss | Hausanschlusskasten und Eigentumsgrenze | HAK mit gestrichelter Grenze Netzbetreiber zu Anlagenbetreiber |
| Hauptleitung | Querschnitt und Hauptschalter | NYY-J nach SLS, 63 A als Richtwert gekennzeichnet |
| Messung | Zähler, Zählpunkte, Abrechnung | Z1, Z2, Unterzähler und Formel je Messkonzept |
| Erzeugung | Strings, Wechselrichter, SA,max | bis 4 MPPT mit Uoc, Isc und kWp je String |
| Speicher | Kopplung, Kapazität, Leistung | AC- oder DC-Zweig mit Kennzeichnung |
| Schutz | LS, RCD, Überspannungsschutz, NA-Schutz | Werte aus der Berechnung, Herstellerangaben offen |
| Verbraucher | SteuVE nach §14a EnWG | Wallbox, Wärmepumpe, Speicher über 4,2 kW markiert |
| Blatt | Schriftfeld und Unterschrift | nach DIN EN ISO 7200, Unterschrift bleibt frei |
Offene Angaben bleiben offen. Ein Kuppelschalter ohne gewählte Variante trägt im Plan den Vermerk „Variante offen“, ein unbekannter Wechselrichter bleibt ohne Modellnamen. So sieht die Elektrofachkraft sofort, was noch zu klären ist.
Wann der zentrale NA-Schutz in den Plan kommt
Maßgeblich ist ΣSA,max, nicht die Modulleistung.
Bis 30 kVA reicht in der Regel der im Wechselrichter integrierte Netz- und Anlagenschutz. Darüber verlangt die Anwendungsregel einen zentralen NA-Schutz mit Kuppelschalter. Das Studio prüft das mit ΣSA,max: Wechselrichter plus AC-gekoppelter Speicher. Die Zeilen unten stammen aus demselben Rechenkern wie der Plan.
| ΣSA,max | AC-Strom | LS bei SLS 63 A | NA-Schutz | Messung |
|---|---|---|---|---|
29,9 kVA | 43,2 A | 63 A | integriert im Wechselrichter | Direktmessung |
30,0 kVA | 43,3 A | 63 A | integriert im Wechselrichter | Direktmessung |
30,1 kVA | 43,4 A | 63 A | zentraler NA-Schutz und Kuppelschalter | Direktmessung |
30,5 kVA | 44,0 A | 63 A | zentraler NA-Schutz und Kuppelschalter | Hinweis auf Wandlermessung |
35,0 kVA | 50,5 A | 63 A | zentraler NA-Schutz und Kuppelschalter | Hinweis auf Wandlermessung |
36,0 kVA | 52,0 A | 63 A | zentraler NA-Schutz und Kuppelschalter | Hinweis auf Wandlermessung |
Ausnahmen und Bestandsanlagen
Die Regel lässt Ausnahmen zu. Welche in Ihrem Fall greift, entscheidet der Netzbetreiber, deshalb bleibt der Hinweis stehen und das Studio zeichnet den NA-Schutz. Bestandsanlagen am selben Anschluss zählen zur Summe. Dafür gibt es kein Eingabefeld, darum nennt der Prüfpunkt sie ausdrücklich.
Was über 30 kVA dazukommt
- Zentraler NA-Schutz im Verteilerfeld am zentralen Zählerplatz
- Kuppelschalter, dessen Variante die Elektrofachkraft festlegt
- Steuerleitung zwischen NA-Schutz und Kuppelschalter, gestrichelt in Blau
- Eigene Sammelschiene für die Erzeugung hinter dem Kuppelschalter
Liegt der Strom über 44 A, weist das Studio zusätzlich auf Wandlermessung hin. Das passiert dreiphasig ab 30,5 kVA, also fast gleichzeitig. Direktmessung gilt nach Herstellerangaben zu VDE-AR-N 4100:2026-04 bis 44 A Dauerstrom und 63 A im Aussetzbetrieb.
Prüfliste vor der Anmeldung
Sechs Fragen, die Rückfragen vermeiden.
Viele Rückfragen entstehen nicht durch falsche Technik, sondern durch fehlende Angaben. Gehen Sie den Entwurf deshalb einmal mit der Elektrofachkraft durch, bevor er zum Netzbetreiber geht. Diese Punkte lassen sich direkt im Studio oder im Beiblatt abhaken.
- Steht das Messkonzept mit Funktionsname und der Bezeichnung Ihres Netzbetreibers im Plan?
- Passt ΣSA,max zu den Daten des Wechselrichters, und zählen Bestandsanlagen am Anschluss mit?
- Sind Speicher und Kopplung so eingetragen, wie sie gebaut werden?
- Tragen Wallbox, Wärmepumpe und Speicher über 4,2 kW die Kennzeichnung nach §14a EnWG?
- Stimmen die angenommenen Leitungslängen mit dem Aufmaß vor Ort überein?
- Sind Schriftfeld, ZEREZ-ID und Zertifikatsnummern ausgefüllt oder bewusst offen gelassen?
Bei Netzbetreibern ohne geprüfte Bezeichnung im Studio steht „bitte beim Netzbetreiber prüfen“. Tragen Sie die dort gültige Bezeichnung selbst nach, zum Beispiel in der DXF-Datei oder auf dem Formular. Eine geratene Nummer wäre schlechter als gar keine.
Grenzen, die das Studio prüft
| Regel | Grenze | Reaktion |
|---|---|---|
| Unsymmetrie | einphasig über 4,6 kVA | Warnung, dreiphasig anschließen oder Leistung aufteilen |
| LS und SLS | LS größer als SLS | Roter Fehler mit beiden Werten |
| LS-Reserve | LS unter 125 % des Bemessungsstroms | Hinweis auf Herstellerangabe und Selektivität |
| SteuVE | über 4,2 kW | §14a EnWG am Symbol |
| Wallbox | über 12 kVA | Hinweis auf Zustimmung des Netzbetreibers |
| Spannungsfall | ΔU über 1 % | Warnung, Planungsziel und keine VDE-Vorgabe |
| Anlagengröße | ab 135 kW | Hinweis auf andere Anforderungen, Plan bleibt bei 135 kVA |
Die Regeln sind eine Planungshilfe. Sie ersetzen weder die Anwendungsregel noch die TAB Ihres Netzbetreibers. Der Plan bleibt ein Entwurf zur Prüfung und Unterschrift durch die Elektrofachkraft, bis diese ihn freigibt.